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Katzenzoff – Wenn Katzen einander nicht mehr verstehen

Katzenzoff – Wenn Katzen einander nicht mehr verstehen Nadine Haase Katzenzoff – Wenn Katzen einander nicht mehr verstehen

 

Katzenzoff – wenn Katzen einander nicht mehr verstehen

Es passiert immer wieder: Zwei Katzen, die sich immer mochten, können sich plötzlich nicht mehr leiden. Aus scheinbar unerfindlichen Gründen werden aus Freunden Feinde und der Haussegen hängt gewaltig schief. Doch natürlich gibt es einen Grund für die plötzliche 180°-Wendung. Meist ist der Auslöser eine sog. umgerichtete Aggression. Zum Beispiel so: Felix sitzt auf der Fensterbank und starrt in den Garten. Dort draußen sieht er seinen Erzfeind Rufus, der ihn seinerseits fixiert. In Felix bauen sich gerade so richtig Aggressionen auf und er ist angespannt bis zum Anschlag. Zu gerne würde er jetzt da rausstürzen und sich auf den Feind stürzen. Genau in diesem Moment springt Felix‘ Hausgenosse Moritz zu ihm auf die Fensterbank. Die Bewegung aus dem Augenwinkel ist das Quäntchen, das bei Felix das Fass zum Überlaufen bringt und die zurückgehaltene Aggression freisetzt: Blitzschnell dreht Felix sich herum und greift seinen Kumpel an.

Der versteht natürlich die Welt nicht mehr und schlägt zurück. Und schon ist eine ernsthafte Schlägerei in Gange – mit Konsequenzen: Felix bringt nun Moritz mit seinen Aggressionen in Zusammenhang und Moritz musste feststellen, dass sein ehemaliger Freund Felix unberechenbar geworden ist und in ihm nun offenbar einen Feind sieht. Das kann er sich natürlich nicht gefallen lassen. In den meisten Fällen erwächst daraus eine ernsthafte Beziehungskrise und die Katzen brauchen unbedingt Hilfe von außen. Es stimmt nämlich nicht, dass Katzen das unter sich klären. Sie können sich ja nicht aussprechen. Die erste Maßnahme muss deshalb sein, die Streithähne zu trennen. Wenn sich die Gemüter ein wenig beruhigt haben, kann man daran gehen, die Katzen einander wieder näherzubringen (s.u., Notfallmaßnahmen).

Tierarztbesuche sind in dieser Hinsicht potentiell problematisch. Auch hier kann sich Verwirrung breit machen, wenn eine Katze verängstigt und/oder aufgebracht vom Tierarzt nach Hause kommt und auch noch fremd riecht. Die Daheimgebliebene ist sich in dem Moment nicht mehr sicher, ob das wirklich ihr Kumpel ist und wenn es ganz arg kommt, ist sie für den Heimkehrer das Objekt, über dem sich die ganzen angestauten Emotionen entladen. Das Ergebnis ist ähnlich wie oben beschrieben. Beide Katzen gleichzeitig zum Tierarzt zu bringen kann helfen, ist aber keine Garantie. Besser ist es, die beiden nach einem Tierarztbesuch prophylaktisch für ein, zwei Tage zu trennen, damit der „Nestgeruch“ wieder angenommen werden und sich die Aufregung legen kann.

Manchmal passiert es auch, dass Katzen sich nach einem Umzug plötzlich nicht mehr leiden können. In diesem Fall ist es meistens so gewesen, dass die beteiligten Katzen sich schon vorher eher gegenseitig geduldet als geliebt haben. Ob Katzen sich wirklich mögen, erkennen Sie daran, dass sie oft etwas zusammen tun, eng miteinander kuscheln und sich gegenseitig über Gesicht und Kopf lecken. Fehlen diese Anzeichen, ist zu vermuten, dass die Katzen ein Leben ohne den Anderen bevorzugen würden. Kommen sie dann in ein neues Domizil, ist das unter Umständen DIE Gelegenheit, den anderen ein für alle Mal zu vertreiben. Auch der Umzugsstress kann die Beziehung zum Kippen bringen, wenn die Katzen schon vorher den Anderen als einen gewissen Stressfaktor wahrgenommen haben.

Notfallmaßnahmen, wenn sich Katzen plötzlich nicht mehr verstehen:

  1. Trennen Sie die Katzen räumlich.
  2. Versuchen Sie erst einmal, sich selbst zu beruhigen. Ihre Aufgeregtheit und Hektik überträgt sich nämlich zusätzlich auf die verwirrten Katzen.
  3. Je nachdem, wie schlimm sich Ihre Katzen „gezofft“ haben und wie verwirrt/verängstigt/aggressiv sich diese zeigen, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über medikamentöse Maßnahmen (Zylkene oder stärkere Beruhigungsmittel).
  4. Überlegen Sie sich Beschäftigungsmaßnahmen für Ihre Katzen, die plötzlich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.
  5. Bauen Sie wenn möglich eine Gittertür, durch die sich Ihre Katzen sehen und riechen können. Tauschen Sie die Katzen regelmäßig aus.
  6. Bieten Sie Ihren Katzen etwas an, was sie besonders gerne mögen (interaktive Spiele mit Ihnen, ein besonderes Futter etc.) und geben Sie ihnen dieses im Angesicht der anderen Katze. Das soll dazu beitragen, dass der nunmehr negativ besetzte Anblick der anderen Katze wieder mit etwas Positivem verknüpft wird.
  7. Lassen Sie Ihre Katzen nicht zu früh wieder zusammen – idealerweise erst, wenn diese durch das Gitter freundlichen Nasenkontakt hatten.

Wichtig: Zögern Sie nicht, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie merken, dass die Notfallmaßnahmen nicht oder nur teilweise greifen. Auf Katzenverhalten spezialisierte Trainer und Berater finden Sie beim VdTT. Zur Therapeutenliste geht es hier.

Autorin: Tatjana Mennig ist Tierpsychologin (ATN, Fachrichtung Katze) und lebt mit ihrer Familie, zu der die beiden Katzen Oma und Daisy sowie verschiedene andere Haustiere gehören, in Hamburg. Sie ist Mitglied im VdTT sowie im Felidae e.V. und ist zusätzlich als Buchautorin und Bloggerin aktiv. Ihr Steckenpferd sind Rassekatzen und das kätzische Sozialverhalten. Ihre Homepage:www.felis-felix.de

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ATN AG ist die im deutschsprachigen Raum führende Schule für Tierpsychologie, Verhaltenstherapie und Hundetraining. Sie ist die erste Schule, die reguläre Lehrgänge zu diesen Themen angeboten hat und ein anspruchsvolles Ausbildungskonzept besitzt.

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