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Erlaubnispflicht für Hundetrainer: Neues zu § 11

Erlaubnispflicht für Hundetrainer: Neues zu § 11 Erlaubnispflicht für Hundetrainer: Neues zu § 11 Erlaubnispflicht für Hundetrainer: Neues zu § 11

In der vergangenen Woche hat sich die Bund-Länder-Arbeitsgruppe der Tierschutzreferenten erneut mit der Umsetzung von § 11 Abs. I Nr. 8 (f) TierSchG beschäftigt. Wir konnten einige Vorab- Informationen gewinnen, die wir an Sie weitergeben möchten. Die Informationen sind jedoch nur vorläufig, denn es gibt bislang noch kein abgestimmtes Protokoll zur Sitzung und auch noch keine weiteren Auslegungshinweise für die zuständigen Behörden.

Die mehr oder weniger schlechte Nachricht zuerst: Es soll keine Genehmigung von Geleichstellungsanträgen stattfinden. Die Arbeitsgruppe hat sich darauf geeinigt, dass die Vielzahl an und die Verschiedenartigkeit der Ausbildungsangebote für Hundetrainer am Markt es nicht möglich machen, Angebote „als Ersatz für ein Fachgespräch bei der Behörde“ anzuerkennen. Auf den ersten Blick mag das niederschmetternd erscheinen – doch so tragisch wie es aussieht, ist es nicht.

Denn: Eine Reihe von Angeboten – darunter auch das der ATN – ist nur deshalb nicht mit einem Fachgespräch beim Vet-Amt vergleichbar, weil bei ATN und VDTT in Breite und Tiefe weit über die Anforderungen eines Fachgesprächs hinausgegangen wird. Würde man solche Abschlüsse einem Fachgespräch gleichstellen, hätte man sie quasi abgewertet. Damit würde eine sehr begrüßenswerte Entwicklung zum Erliegen kommen: Nämlich die, dass angehende Hundetrainer Ausbildungsinhalte vergleichen und nach einer höheren Qualifikation streben. Und eben nicht nur schauen, wie sie mit möglichst wenig Aufwand an Zeit und Geld zu einer Arbeitserlaubnis kommen – § 11 allein ist nun mal kein "Gütesiegel".

In den kommenden Wochen werden die gestellten Gleichstellungsanträge – auch der des VDTT – an die Länderministerien zurückgegeben, bei denen sie eingereicht wurden. In unserem Fall ist das Schleswig-Holstein, da der VDTT (und auch die ATN) hier ihren (Deutschland-)Sitz haben. Aus Schleswig-Holstein werden wir hinsichtlich unseres Gleichstellungsantrags dann ein entsprechendes Ablehnungsschreiben bekommen.

Weisung für Ämter

Im Zuge der Entscheidung, keine Gleichstellungsanträge zu genehmigen, soll eine Weisung für die Ämter erarbeitet werden, wie sie mit § 11 Anträgen rechtssicher umzugehen haben. So darf es beispielsweise nicht sein, dass ein Vet-Amt einzig auf einer Prüfung vor der Tierärztekammer oder eine IHK-Ausbildung besteht und ansonsten weder bereit ist, andere Ausbildungen zu prüfen oder eigene Fachgespräche anzubieten. Wenn ein Amt allerdings ein Fachgespräch durchführen will, hat es das Recht dazu. Es darf - eine entsprechende Regelung in dem Bundesland vorausgesetzt - das Fachgespräch auch an die Tierärztekammer (TÄK) "auslagern". Grundsätzlich wollen die Länder einen "TÄK-Tourismus" von Hundetrainern zwischen den einzelnen Bundesländern vermeiden, Prüfungen bei einer TÄK werden aber gegenseitig anerkannt.

Die Weisung wird auch die Parameter enthalten, an denen die Ämter andere Ausbildungen prüfen können, etwa durch den Abgleich von Ausbildungs- und Prüfungsinhalten, Lernstundenzahl, Praxisanteilen usw. Viele Absolventen haben ihren Anträgen von sich aus entsprechende Informationen über die ATN beigefügt – viele aber auch nicht. Mehrere Ämter aus dem Bundesgebiet haben sich zudem selbst an die ATN oder den VDTT gewandt und Unterlagen über Ausbildung und Prüfungen angefordert, um über ihnen vorliegende § 11 Anträge entscheiden zu können. Da die Ämter aber nicht unbedingt verpflichtet sind, sich so viel Mühe zu machen, werden wir für die einzelnen Ausbildungsgänge Factsheets erstellen, die § 11 Anträgen künftig beigefügt (oder nachgereicht) werden können. Die Factsheets stellen wir Ihnen zeitnah in Ihrem E-Tutor zur Verfügung. Sie werden alle Informationen enthalten, die die Ämter zum Abgleich mit den in ihrer Weisung enthaltenen Parametern benötigen.

Fachgespräche: Recht der Behörde

Vereinzelt kursieren "Ratschläge" durchs Internet, wonach Hundetrainern, Hundepsychologen und anderen geraten wird, Fachgespräche zu verweigern und auf diese Weise die Erteilung einer § 11 Genehmigung zu erzwingen. Davon möchten wir Ihnen jedoch abraten, denn diesbezüglich ist das Recht auf der Seite der Behörde. Diese ist zum einen verpflichtet, Ihre Sachkunde festzustellen. Zum anderen ist sie berechtigt, dafür eben ein Fachgespräch zu wählen.

Ob in Ihrem individuellen Fall ein Fachgespräch anberaumt wird, liegt weiterhin im alleinigen Ermessen der Behörde. Sie ist zur Einzelfallprüfung verpflichtet, kann aber eben aus ganz verschiedenen Gründen Zweifel an Ihrer Sachkunde und praktische Fähigkeiten haben. Wir hoffen, mithilfe der Factsheets solche Zweifel von vornherein ausräumen zu können. Ob das aber in jedem Fall gelingt, unterliegt leider nicht unserem Einfluss.

Wir gehen sehr davon aus, dass die ATN-Hundetrainer künftig ohne weitere Prüfung eine § 11 Genehmigung erhalten, da sie neben über 1.000 von der ZFU zertifizierten Lernstunden sowohl eine theoretische als auch eine praktische Prüfung ablegen und während der Ausbildung auch Praxisunterricht haben sowie Praxiserfahrung sammeln – in sämtlichen Bereichen, die für die Ämter in Sachen § 11 Genehmigung relevant sind und über das Factsheet von den Behörden entsprechend abzugleichen sein werden.

Die Hundeverhaltensberatung wird künftig ebenfalls Praxisanteile beinhalten – für die Vergangenheit zählt hier Ihre bislang erworbene Berufserfahrung. Zu berücksichtigen bleibt jedoch, dass die Ämter in der Regel prüfen werden, wie viel Praxiserfahrung jeweils vorliegt (nur wenige Wochen oder mehrere Monate/Jahre), dass sie möglicherweise aber die Länge der beruflichen Tätigkeit alleine nicht als geeignetes Kriterium heranziehen werden. Denn „Erfahrung“ hat einen Haken: Wer beispielsweise vor 30 Jahren schon Hunde ausgebildet hat und das heute auf die gleiche Weise tut wie damals, könnte zu erkennen geben, dass er in der Zwischenzeit nicht viel dazu gelernt hat, obwohl die Wissenschaft davongaloppiert ist. In Sachen „Erfahrung“ kommt außerdem die Frage nach dem Bestandsschutz zum Tragen. Bislang sieht es nicht so aus, als würde ein solcher für § 11 gewährt werden. Das kann tatsächlich gegen das Grundrecht auf freie Berufsausübung aus Art. 12 GG verstoßen – momentan scheint es jedoch so, als würde man es von Behördenseite auf eine diesbezügliche gerichtliche Klärung ankommen lassen wollen. Da es diesbezüglich aber kein Verbandsklagerecht gibt, müssen betroffene Hundetrainer selbst den Weg zu den Gerichten beschreiten. Falls Sie darüber nachdenken, möchten wir Ihnen raten, sich zwingend in ihrem individuellen Fall anwaltlich beraten zu lassen – wir als Verband sind für Rechtsberatungen weder ausreichend qualifiziert noch überhaupt befugt.

Ähnliches gilt für die Tierpsychologie. Hier muss jedoch berücksichtigt werden, dass sie sich dem Erfassungsbereich von § 11 grundsätzlich entzieht – reine Tierpsychologen brauchen die Genehmigung nicht unbedingt. Grund dafür ist, dass § 11 auf den Ausbildungsbegriff abstellt. Demnach gilt als „Ausbildung“ jede Einwirkung auf ein Tier, die es zum Erlernen einer bestimmten Verhaltensweise oder eines Gefüges von Verhaltensweisen veranlasst – unter Ausnutzung seiner Lernfähigkeit und seines Vermögens, Umweltvorgänge artbezogen zu verstehen. Viele Hundepsychologen beraten jedoch nur in Bezug auf Haltungsbedingungen, Hundeverhalten und ähnliches und bilden dabei weder Hunde aus noch leiten sie Ausbildung an. Dann brauchen sie aber auch die § 11 Genehmigung nicht. Sobald Sie als Hundepsychologe jedoch den Bereich der reinen Psychologie verlassen und Hundehaltern beispielsweise zeigen, wie diese dem Hund ein „Sitz“ beibringen können, ein an der Tür warten, allein bleiben oder Gehen an lockerer Leine oder wenn Sie in Seminaren erläutern, wie dergleichen zu erreichen ist (die Tierhalter zu Hause also ihren gegebenen Ratschlägen folgen), treten Sie in die Ausbildung von Hunden ein und müssen die Genehmigung haben.

Da sowohl Tierpsychologen als auch Hundeverhaltensberater eine theoretische Prüfung ablegen, sind einige Ämter im Bundesgebiet mittlerweile dazu übergegangen, diesen Absolventen eine zweite theoretische Prüfung im Rahmen von Fachgesprächen zu erlassen (abgesehen davon, dass vielen Absolventen ein Fachgespräch ganz und gar erlassen wurde). Wer bei der ATN also „nur“ eine schriftliche Prüfung abgelegt hat und von seiner zuständigen Behörde zu einem Fachgespräch geladen wird, kann darum bitten, sein Fachgespräch ggf. auf einen Praxisteil zu beschränken. Ein Recht auf Erlass eines theoretischen Prüfungsteils haben Sie allerdings nicht.

Kosten für Fachgespräche: Keine Kappungsgrenze

Wir wissen, dass einige Ämter geradezu horrend erscheinende Gebühren für ihre Fachgespräche fordern, zum Teil zwischen 600 und über 1.000 Euro. Diesbezüglich wird es leider keine Kappungsgrenzen geben, d.h. die Ämter kalkulieren Fachgespräche auf der Grundlage des Gebührenrechts, enthalten sind dabei auch Kosten für hinzugezogene Sachverständige - zumeist Tierärzte. Wenn Experten eine weite Anreise haben, weil vor Ort niemand verfügbar oder überhaupt vorhanden ist, treibt das die Kosten entsprechend in die Höhe. Im Einzelfall kann es deshalb ratsam sein, die Ämter nach einer Möglichkeit zur Ratenzahlung zu fragen. Eine andere Möglichkeit ist, sich mehr oder weniger für den Preis eines Fachgesprächs zum ATN-Hundetrainer weiterzuqualifizieren.

Wir hoffen, ein klein wenig Licht ins "§ 11 Dunkel" gebracht zu haben, drücken Ihnen weiterhin die Daumen und wünschen Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit!

Hinweis: Sie finden diesen Beitrag auch im ATN-Forum in der Online-Zeitung "Hundepsychologie", wo Sie zum Thema diskutieren und Fragen stellen können!

Ihr ATN-Team

 

ATN Akademie

ATN AG ist die im deutschsprachigen Raum führende Schule für Tierpsychologie, Verhaltenstherapie und Hundetraining. Sie ist die erste Schule, die reguläre Lehrgänge zu diesen Themen angeboten hat und ein anspruchsvolles Ausbildungskonzept besitzt.

Webseite: www.atn-ag.de

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