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Hundetrainer-Erlaubnispflicht: Stand der Dinge bei § 11

Hundetrainer-Erlaubnispflicht: § 11 und das aktuelle Konsenspapier der Bundesländer. Foto: Javier Brosch, Adobe Photo Stock Hundetrainer-Erlaubnispflicht: § 11 und das aktuelle Konsenspapier der Bundesländer.

Er hat etwas Tragikomisches an sich, der § 11 Abs. 1 Nr. 8f TSchG, der besagt, dass jeder gewerblich tätige Hundetrainer eine behördliche Erlaubnis braucht, ehe er auch nur einen Cent mit „Hundeschule“ verdienen darf. Die meisten „alten“ Trainer haben zwar mittlerweile ihre Erlaubnis erhalten. Viele Ämter agieren in Sachen Erteilung auch verantwortlich und korrekt. Manche aber eben nicht – und das ist vor allem für Berufseinsteiger bisweilen mehr tragisch als komisch. Dabei gibt es einen schriftlich niedergelegten Konsens der Bundesländer darüber, wie mit § 11 Anträgen zu verfahren ist und wie sie zu beurteilen sind. Nur: Viele Ämter kennen den aktuellen Konsens gar nicht oder setzen sich darüber hinweg. Können sie auch. Das Bemühen um Einheitlichkeit und Verhältnismäßigkeit sabotieren sie aber damit – und das völlig ohne Grund. Wir vom ATN-Magazin haben uns das Konsenspapier der Bundesländer angeschaut – und es für Sie auch zum Download bereitgestellt.

Ein Konsens ist ein Konsens – oder nicht?

Mit Ruhm hat sich der Gesetzgeber in Sachen § 11 grundsätzlich nicht bekleckert – und dass es im Jahr 4 nach der Niederkunft der Norm noch immer an einer Rechtsverordnung zur Umsetzung fehlt, macht das Spektakel nicht besser. Dabei hat sich die Bund-Länder-Arbeitsgruppe mächtig ins Zeug gelegt, um wenigstens eine Richtlinie auf den Weg zu bringen, eine Handreichung, die Vet-Ämtern die Entscheidung über Erlaubniserteilungen durchaus erleichtern kann. Wenn – ja wenn – sich das einzelne Vet-Amt die Mühe macht, in Sachen Richtlinie auf aktuellem Stand des Konsenses zu sein.

Tatsächlich gibt es einen „alten“ und einen „neuen“ Konsens in Bezug auf die Umsetzung von § 11. Nicht, dass dieser Konsens für irgendjemanden rechtlich bindend wäre, aber immerhin: Der „neue“ Konsens ist wesentlich weiter gefasst als der „alte“ und: Er macht keinen Unterschied zwischen Ausbildungen und Prüfungen öffentlich-rechtlicher oder privater Anbieter oder solchen von Verbänden. Alle sind einander gleichgestellt – insbesondere dann, wenn die grundsätzlichen Ausbildungsinhalte (Mindeststandard, durchschnittlich erforderliches Fachwissen) und die Abschlussprüfungen den im Konsenspapier genannten Rahmenbedingungen entsprechen.

Wie sollen die Behörden die Anforderungen an die Sachkunde prüfen?

Laut „neuem“ Konsenspapier sind von Trainern

  • geeignete Nachweise zur Aus-, Fort- und Weiterbildung inklusive
  • Beschreibung von Art, Umfang und Inhalten der Schulungen und Prüfungen

bei Antragstellung einzureichen. Daneben sind

  • Nachweise zu bisherigen Tätigkeiten einschließlich
  • Beschreibung des Umfangs und der Schwerpunkte der bisherigen Arbeit

beizufügen. Die Behörde prüft die Sachkunde des Antragstellers dann im Einzelfall auf Basis der Darlegungen und Nachweise im Antrag. Ausdrücklich sind die Ämter dabei gehalten, grundsätzlich alle Aspekte zu würdigen, die zur Sachkunde beitragen können und hier insbesondere die bisherige Tätigkeit und jede Art von relevanter Aus-, Fort- oder Weiterbildung sowie erfolgreich abgelegte Prüfungen zu berücksichtigen. Die Ämter sind ausdrücklich NICHT dazu angehalten, nur denjenigen Antragstellern die Erlaubnis zu erteilen, die den Stempel einer IHK oder einer Tierärztekammer auf ihren Zertifikaten haben. Die Erlaubnis darf auch nicht an eine Ausbildung oder Prüfung bei einer öffentlich-rechtlichen Institution gebunden werden. In ihrem „neuen“ Konsenspapier schreibt die Bund-Länder-Arbeitsgruppe entsprechend, dass die in § 11 Abs. 2 Nr. 1 TierSchG (a.F.) genannte Ausbildung (…) im Sinne der Nr. 12.2.2.2 erstes Tiret der AVV TierSchG jede

"abgeschlossene staatlich anerkannte oder sonstige Aus- oder Weiterbildung, die zum Umgang mit den Tierarten befähigt, auf die sich die Tätigkeit erstreckt"

umfasst. Wichtig: Hundetrainer-Ausbildungen, die von öffentlich-rechtlichen Institutionen angeboten werden, sind nur deshalb ausdrücklich NICHT auch staatlich anerkannt (mehr dazu unter „IHK-Lehrgänge: Nicht immer staatlich anerkannt“).

Wichtig für alle, die in Sachen Ausbildung nicht auf einen „Komplettkurs“ setzen, sondern ihre Qualifikation nach und nach z.B. durch eine Vielzahl an Seminaren aufbauen, ist folgender Hinweis im Konsenspapier:

„Eine vergleichbare Aus- oder Weiterbildung kann sich auch aus der Summe einzelner Weiterbildungen ergeben, welche die notwendigen Inhalte qualifiziert und im erforderlichen Umfang abdecken.“

In jedem Fall muss sich die Gesamtschulungszeit dennoch über „mindestens mehrere Monate“ erstrecken und auch praktische Schulungen sowie das eigenständige Arbeiten mit Hund und Haltern beinhalten. Zusätzlich zu jeder Art von Ausbildung auf eigene Faust Praktika und Hospitationen wahrzunehmen (Bescheinigungen fürs Amt nicht vergessen), ist damit vor allem für Berufsanfänger eine gute Idee. Bedeutsam ist nicht zuletzt, darauf zu achten, dass Ausbilder und Dozenten – egal ob man sich für Seminare oder Komplettkurs entscheidet – für ihr jeweiliges Themengebiet ausreichend qualifiziert sind. Besonders leicht gelingt dieser Nachweis, wenn man dem Amt verklickern kann, dass man bei Biologen, Tierärzten und erfahrenen Trainern gelernt hat und nicht unbedingt nur in der Hundeschule um die Ecke.

Welche Anforderungen werden an Prüfungen gestellt?

In Sachen Prüfungen hat sich die Bund-Länder-Arbeitsgruppe an den Parametern orientiert, die bei den Zertifizierungen der Tierärztekammern und beispielsweise auch bei den ATN-Hundetrainerprüfungen gesetzt werden:

„Die Prüfung muss unter Beteiligung geeigneter Prüfer (z.B. qualifizierte Tierärzte, qualifizierte Hundetrainer, qualifizierte Biologen) erfolgen und schriftlich dokumentiert werden. Sie muss theoretische und praktische Anteile beinhalten.“

Einen Hinweis darauf, wie man seinen Antrag attraktiv garnieren kann, findet man im Konsenspapier auch. Demnach fügt man seinem Antrag „idealerweise“

  • differenzierte Schulungs- und Prüfungskonzepte bei (Lehrplan, Prüfungsordnung),
  • die Prüfungsergebnisse und
  • nach Möglichkeit auch das Prüfungsprotokoll der praktischen Abschlussprüfung.

Wann sollen die Ämter Antragsteller zum Fachgespräch einladen?

Immer dann, wenn die eingereichten Unterlagen lückenhaft sind. Das kann z.B. der Fall sein, wenn aus einem Lehrplan oder einer Sammlung von Seminarscheinen hervorgeht, dass ein für Hundetraining essenzielles Thema nicht bearbeitet wurde, wenn ein Antragsteller eine Ausbildung „wahrgenommen“, aber nicht mit der dazugehörigen Prüfung abgeschlossen hat oder wenn in den Unterlagen jeder Hinweis darauf fehlt, dass der Antragsteller auch schon mal praktisch mit Hunden und Haltern zu hatte.

Es wird ausdrücklich NICHT gefordert, dass ein Fachgespräch grundsätzlich immer anzuberaumen ist und auch NICHT, dass in einem Fachgespräch geprüft werden soll, ob der Antragsteller wirklich im Kopf hat, was aus seinen Aus- und Weiterbildungsnachweisen hervorgeht.

Hat der Antragsteller diese Nachweise und kann er sogar noch belegen, dass er auch entsprechend geprüft wurde, kann, darf und soll die Behörde davon ausgehen, dass der Antragsteller ausreichend sachkundig ist – und seinen Antrag entsprechend mit der Erlaubniserteilung bescheiden.

ATN Akademie

ATN AG ist die im deutschsprachigen Raum führende Schule für Tierpsychologie, Verhaltenstherapie und Hundetraining. Sie ist die erste Schule, die reguläre Lehrgänge zu diesen Themen angeboten hat und ein anspruchsvolles Ausbildungskonzept besitzt.

Webseite: www.atn-ag.de

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