Redaktionelles

CAVALLO Academy 2018: Knotenhalfter oder feine Kommunikation?

"ATN-Korrespondentin Kay Szantyr mit Kenzie Dysly bei der Cavallo Academy 2018" Kay Szantyr "ATN-Korrespondentin Kay Szantyr mit Kenzie Dysly bei der Cavallo Academy 2018"

Wer in der Pferdeszene Rang und Namen hat, war hier zu finden: bei der Cavallo Academy 2018. In diesem Jahr haben auch wir vorbeigeschaut und uns angesehen, was angesagt ist – oder Trend im Pferdeland. Hier unser kleiner Rückblick für alle, die nicht nach Mönchengladbach fahren konnten.

Cavallo Academy 2018: Kleine Schritte zum feinen Dialog

Die Islandstute blickt interessiert ins Publikum. Dann zum Ausgang. Schließlich zum Tor. Das einzige, was Vera, die dreijährige Dunkelwindfarbene nicht ansieht, ist die Trainerin, die gerade an ihr demonstriert, wie man eine Beziehung zu einem Pferd aufbaut

Maja Hegge, Gewinnerin des populären Pferde-Trainings-Wettbewerbs „Mustang Makeover“ im vergangenen Jahr, reiste mit dem Thema „Kommunikation – Pferde besser verstehen und von ihnen verstanden werden“ an. Nach einem kleinen Intro in der Freiarbeit mit ihrem Reitponywallach Quandro zeigt sie mit der dunkelwindfarbenen Vera, wie sie die Anfänge einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gestaltet. Dabei setzt sie auf Training in kleinen Schritten: Zunächst soll die Dreijährige nicht mehr tun, als ruhig neben dem Menschen durch die Halle zu laufen und anzuhalten, wenn Hegge selbst anhält. Kein leichtes Unterfangen bei einem aufgeregten Jungpferd, das lieber die Zuschauer beobachtet und bisher noch kaum Kontakt mit Hilfsmitteln wie der Gerte gehabt hat.

Hegge lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. Mit stoischer Ruhe führt sie die Stute immer wieder im Kreis, hält an, gewährt Pausen, lobt. „Sie muss mit mir kooperieren. Und noch mehr: Sie muss den Menschen rundherum akzeptieren.“ Das gelingt, so die junge Ausbilderin, indem die Stute die Entscheidungen des Menschen als klug wahrnimmt – als ungefährlich und stressarm.

Natural Horsemanship und Longentraining

Die diesjährige CAVALLO Academy auf Schloss Wickrath in Mönchengladbach richtete sich einmal mehr an alle, die sich für „die faire und feine Ausbildung“ und den „partnerschaftlichen Umgang“ mit ihren Pferden interessieren. Die ATN besuchte das Event, um neue Trends in der Ausbildung zu suchen und einen Blick auf den Status quo des „partnerschaftlichen Pferdetrainings“ zu werfen.

Wirklich Neues suchte man zwar vergeblich. Wohl aber zeigte die Veranstaltung, wie stark das Interesse an Frei- und Bodenarbeit, gymnastizierendem Longentraining und anderen Trainingsmethoden vom Boden aus ist. Bei der Freiarbeit dominierte klar die Lehre des Natural Horsemanship. Mit wechselndem Erfolg zeigten die Trainer im Ring, wie sie die Kommunikation mit dem Pferd gestalten und die teilweise sehr aufgeregten Pferde zur Zusammenarbeit bringen wollten. Andere aktuelle Ausbildungswege – wie beispielsweise die Arbeit mit der positiven Verstärkung („Clickern“) – fehlten dagegen, und auch geritten wurde wenig.

Die Livetrainings: Vom taktreinen Tab bis zum spektakulären Sprüngen

In der großen Reithalle kamen dann die großen Namen zu Wort. Die Besetzung der Livetrainings reichte von Dr. Gerd Heuschmann, der die Heeresdienstverordnung Nr. 12 zitierte, bis zu Kenzie Dysli, die mit zwei portugiesischen Hengsten angereist war undbeim Anpiaffieren einer Reitponystute half. Hier der kleinschrittige, klassische Weg zu Kraft, Geraderichtung und Takt, dort energiegeladene Sprünge und rasante Kunststücke – das zeigte die Vielfalt der Möglichkeiten, mit seinem Pferd gemeinsame Ziele zu erarbeiten.

Cavallo Academy 2018: Vielseitigkeit und Humor in der Pferdeausbildung

Arien Aguilar begeisterte die Zuschauer mit seinem Humor, und auch die Besitzer der drei Pferde, an denen der Trainer erste Schritte mit Garrocha oder Fahne zeigte, gewannen durch das Lachen an Lockerheit. Das wiederum kam den teils nervösen Pferden zu Gute, die mit viel Unbekanntem konfrontiert wurden.

Arien Aguilar begeisterte die Zuschauer Arien Aguilar begeisterte die Zuschauer

Der Reiz des Neuen halte das Pferd wach und motiviert, so Aguilar. Ganz nebenbei entstünde eine engere Bindung an den Menschen. Was diesen Punkt anging, hatte der junge Trainer bereits zu Beginn manche Hoffnung enttäuscht: Er werde immer wieder gefragt, wie man die Verbindung zum eigenen Pferd stärken könne. Dafür aber gebe es keine einzelne Übung – erst die Zeit und die Vielzahl der verschiedenen gemeinsam erarbeiteten Übungen brächten eine stabile Verbindung hervor.

Dass die Vielseitigkeit in der Ausbildung und der Einfallsreichtum des Menschen aber nicht immer genügen, gestand Aguilar im Gespräch später selbst ein. Sein eigener Wallach, der Iberer Allegre, hätte an vielen Aspekten der Auftritte keine Freude. Grund genug für den Ausbilder, zu überlegen, ob der gehorsame Schimmel nicht besser zu jemandem passt, der nicht mit ihm durch die Welt reist.

Kenzie Dysli: Eine gelungene Show

Die besonders bei jüngeren Zuschauern beliebte Kenzie Dysli zeigte Cremellohengst Sasou und Lusitano-Falbhengst Archimedes in verschiedenen Kunststücken, frei, im Halsring und am Kappzaum. Während Sasou etwas müde wirkte, bewies Archimedes seine Motivation mit imposanten Sprüngen an der Hand.

Die Fragen aus dem Publikum drehten sich dann auch hauptsächlich um die spektakulären Kunststücke: Wie kann ich meinem Pferd den spanischen Schritt beibringen? Wie das Steigen? Wie verhindere ich, dass mein Pferd aus lauter Freude an der neuen Übung auch ohne Kommando steigt?

Gefragt waren klare „Wenn A, dann B“-Anweisungen. Dysli erklärte geduldig. Ihr nachvollziehbarer Trainingsaufbau war deutlich an den bewegungslustigen, agilen spanischen Hengsten orientiert. Doch auch die zwanzigjährige Reitponystute, die an der Hand mit Dyslis Unterstützung anpiaffiert wurde, zeigte sichtbare Fortschritte in der Beweglichkeit. In dieser Trainingseinheit wurde die Bedeutung der Körpersprache offenkundig: Während die auf einem hohen Energielevel, präzise und schnell arbeitende Dysli einige energische Rollbacks hervorrufen konnte, erhielt die etwas weniger geübte Besitzerin zunächst deutlich weniger Reaktion von ihrem Pferd.

„Bildet eure Pferde lieber ihrer Neigung entsprechend aus! Alle wollen heute aus ihrem Pferd einen Lusitano machen“, hatte Aguilar im ersten Training des Tages gesagt. Beobachtete man die erfahrenen Trainer und die teils unsicheren Pferdebesitzer, möchte man aber ergänzen: „... und eurer eigenen Neigung entsprechend. Nicht jeder kann von Anfang an einen Hengst trainieren.“

Kenzie Dysli und Lusitano-Falbhengst Archimedes Kenzie Dysli und Lusitano-Falbhengst Archimedes

Viele Wege führen zum motivierten Pferd

Bei aller Unterschiedlichkeit – alle Live-Trainer einte das Streben nach dem Spaß des Pferdes an der Zusammenarbeit. Während Aguilar auf das Entfachen der Neugier des Pferdes setzte, zeigte Hegge dem Pferd durch viele kleine Pausen, dass sie es nicht überfordern wolle. Dysli wurde dem explosiven Temperament ihrer Hengste – das im Falle Sasous zunächst ein wenig wachgekitzelt werden musste – mit einer raschen Abfolge unterschiedlichster, viel Balance erfordernder Lektionen gerecht.

Auf die Frage, woran man den Spaß eines Pferdes an der Arbeit erkenne, konnten letztlich aber sowohl Hegge als auch Aguilar nur mit „Bauchgefühl“ antworten. Das zu entwickeln ist zweifellos die größte Aufgabe jedes Menschen, der mit Pferden umgeht: das Bauchgefühl dafür, wann ein Pferd wirklich gern und nicht nur gehorsam mit dem Menschen zusammenarbeitet. Dass es dafür nicht einen einzigen richtigen Weg gibt, zeigte die CAVALLO Academy 2018 in jedem Fall.

Kay Szantyr

Kay Szantyr ist freie Redakteurin in Berlin und angehende Physiotherapeutin für Pferde. Sie unterstützt in ihrer Freizeit Besitzer von Problempferden und unterrichtet die dressurmäßige Ausbildung von Freizeitpferden am Kappzaum und unter dem Sattel.

Webseite: pegasusprinzip.wordpress.com

Soziale Netzwerke

ATN Rückruf Service

ATN Studienberatung Rückruf Service beantragen!

Rückruf anfordern