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Corona-Infektionen bei Haustieren?

Corona-Infektionen bei Haustieren? thedarknut - Pixabay Corona-Infektionen bei Haustieren?

Corona – ein Gespenst geht um. Eigentlich meint es SARS-CoV-2. Aber weil das nicht so griffig ist, verkürzt die allgemeine Berichterstattung es meist auf Corona. Das ist falsch, in jeder Beziehung. Denn auf die Frage, ob Tiere sich mit dem Coronavirus anstecken können, müsste man mit „Ja“ antworten. Was die aktuelle Situation angeht, muss es korrekt entweder SARS-CoV-2 heißen, wenn das Virus gemeint ist. Oder COVID-19, wenn von der Krankheit die Rede ist. Hier heißt die Antwort auf die Frage: Können sich Tiere damit anstecken? Nein. Jedenfalls nicht nach derzeitigem Wissensstand. Mit zwei Ausnahmen: Frettchen und Flughunde. Aber was ist mit den zwei Hunden in Hongkong? Oder mit den beiden SARS-Cov-2 positiven Katzen? Deren Besitzer waren an COVID-19 erkrankt. Dabei ist der Erreger vom Menschen auf die Tiere übergegangen, nicht umgekehrt. Der 17-jährige Zwergspitz aus Hongkong ist gestorben. Aber nicht an COVID-19. Tierbesitzer brauchen sich also keine Sorgen zu machen, da sind sich alle Fachleute und Institute einig.

COVID-19: Keine Gefahr durch Haustiere

Zu den Nachweisen bei den erwähnten Tieren heißt es vonseiten der Kleintierklinik der Universität München in einem Facebook-Statement: "SARS-CoV-2 wurde bislang weltweit bei zwei Hunden von COVID-19-Patienten in Hongkong (…) sowie bei einer Katze in Hongkong und einer Katze in Belgien, ebenfalls jeweils von SARS-CoV-2-infizerten Besitzern (…) nachgewiesen. Einer der Hunde entwickelte auch Antikörper gegen das Virus – ein Beweis, dass es sich um eine Infektion und keine Kontamination handelte. Beide Hunde zeigten keine klinischen Symptome. Die Katze in Belgien hatte Magen-Darm-Symptome und Atemwegsprobleme, erholt sich aber derzeit. Es ist nicht klar, ob die Symptome wirklich durch das Virus verursacht wurden.” Und weiter heißt es, es gibt “derzeit keine Hinweise dafür, dass Katzen und Hunde SARS-CoV-2 besonders stark und längerfristig vermehren können. Aus epidemiologischer Sicht scheinen Katzen und Hunde keine große Bedeutung bei der Übertragung von SARS-CoV-2 zu haben.”

Auch in Deutschland werden Katzen auf SARS-CoV-2 Belastung getestet. Bislang wurde es hier bei uns bei keiner einzigen Katze gefunden.

Kontamination, Infektion, Erkrankung
Kontamination ist gegeben, wenn Erreger auf dem Tier gefunden werden, aber nicht in ihm nachzuweisen sind. Infektion ist der Nachweis von Erregern im Tier. Erkrankung ist der Nachweis von Symptomen, die durch den Erreger verursacht werden. Das geht mit einer Vermehrung des Erregers im Körper einher. Erkrankungen können zu Krankheitssymptomen führen oder symptomfrei verlaufen. Wenn ein Mensch oder Tier erkrankt und SARS-CoV-2 positiv ist, muss für die Feststellung einer COVID-10-Erkrankung vorhandene Symptomatik unzweifelhaft auf das Virus zurückzuführen sein, ansonsten besteht nur ein “Verdacht auf”. Andere Möglichkeiten müssen ausgeschlossen werden. Bei Todesfällen muss ebenfalls zweifelsfrei festgestellt werden, ob der Patient mit oder durch den Erreger gestorben ist. Nur im letzte Fall ist er die Todesursache. Bei der gegenwärtigen Beurteilung der Pandemie wird hier nach Ansicht vieler Fachleute oft nicht sachgerecht differenziert.

Virale Fingerabdrücke bei Haustieren durch COVID-19

Das Friedrich-Löffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit/FLI) gibt eine eindeutige Entwarnung. Bislang an Hühnern und Schweinen durchgeführte Untersuchungen zur Infektion mit SARS-CoV-2 seien negativ verlaufen, heißt es dort. Auch Haustiere sind nach bisherigen Erkenntnissen weder gefährdet noch gefährdend. Empfänglich für SARS-CoV-2 sind allerdings Frettchen und Flughunde, das gab das FLI am 2. April 2020 bekannt. Bedeutung hat dies jedoch vor allem für die Entwicklung von Impfstoffen, nicht für die Verbreitung der Viren. Besonders Frettchen scheinen als Wirtstiere infrage zu kommen. Bei ihnen vermehrten sich die Viren im Körper und wurden untereinander weitergegeben. Allerdings zeigten die Tiere keinerlei Symptomatik. Besitzer von Frettchen, insbesondere, wenn sie selbst erkrankt sind, sollten aber darauf achten, dass ihre Tiere nicht mit anderen in Kontakt kommen, damit sie das Virus nicht verbreiten können.

Natürlich ist auch bei anderen Tieren nicht auszuschließen, dass Menschen auf ihren Haustieren „virale Fingerabdrücke“ hinterlassen, wenn sie sie streicheln und mit ihnen schmusen. Bei SARS-CoV-2 infizierten Besitzern ist außerdem die Viruslast innerhalb des Wohnraumes stark erhöht und eine Kontamination von Haustieren nicht ganz auszuschließen, auch wenn sich das Virus bei ihnen nicht vermehrt. Die Nachweise bei den zwei Hunden in Hongkong und den zwei Katzen werden darauf zurückgeführt.

Das Friedrich-Löffler-Institut nimmt zum Infektionsrisiko wie folgt Stellung: “Mit SARS-CoV-2 infizierte Personen, insbesondere diejenigen mit Krankheitssymptomen, können große Virusmengen über Nase und Mund ausscheiden (Tröpfcheninfektion). Es ist davon auszugehen, dass ihre Umgebung entsprechend mit Virus belastet ist, auch bei Einhaltung von grundlegenden Hygieneregeln (in die Armbeuge niesen und husten, Hände waschen, Oberflächen reinigen). Daher sollten infizierte Personen gerade beim Kontakt zu ihren Haustieren besonders auf Hygiene achten, engen Kontakt möglichst vermeiden, die Tiere nicht anhusten oder anniesen und sich von den Tieren nicht durchs Gesicht lecken lassen.” Sicherheitshalber, nicht weil eine Gefahr besteht.

Coronaviren bei Tieren

Coronaviren sind nicht neu. Die ersten wurden 1960 beschrieben. Innerhalb der Viren bilden sie die Familie Coronaviridae, der kronenförmigen Viren. Schon 2002/2003 gab es eine durch Coronaviren verursachte Pandemie: SARS hieß die Erkrankung (Schweres Akutes Atemwegs-Sysdrom), der Erreger SARS-CoV (Severe acute respiratory syndrome related coronavirus). Auch MERS-CoV , der 2012 neu aufgetretene Erreger von MERS (Middle east respiratory syndrome), gehört in diese unerfreuliche Familie von Krankheitserregern. Nun also das neue humanpathogene SARS-CoV-2. Es gibt noch vier weitere bekannte Coronaviren, für die der Mensch empfänglich ist (HCoV-HKU1, HCoV-NL63, HCoV-OC43, HCoV-229E), aber sie sind nur vergleichsweise schwach pathogen.

Coronaviren können viele Tiere betreffen: Säugetiere, Vögel, sogar Fische. Meist sind sie wirtsspezifisch, also gebunden an „ihre“ Tierart. Aber die Viren mutieren relativ leicht und können selten auch mehr als eine Tierart infizieren. So werden manche Fledermausarten als Überträger vermutet oder wurden sogar bestätigt. Auch Pferd, Hund und Katze, aber auch Nutz- und Wildtiere können sich mit Coronaviren anstecken und symptomatisch werden, sofern es sich um „ihre“ Coronaviren handelt.

So funktionieren Viren
Anders als Bakterien sind Viren zwar organische Strukturen, aber keine Lebewesen. Sie wirken wie eine Art USB-Stick: Geraten sie in die richtige Zelle, entwickeln sie ihr Programm. Ohne die Zelle sind sie wie der Stick nur Träger von Informationen. In diesem Fall von Erbinformationen (RNA). Sie verbreiten sich über die Umwelt (z.B. mittels Tröpfcheninfektion). Geraten sie in einen geeigneten Wirtsorganismus, schleusen sie diese Erbinformation in die Zellen bestimmter Gewebe ein und verändern dadurch deren Funktion. Coronaviren wirken vor allem im Darmgewebe. Bei manchen Wirten allerdings auch im Lungengewebe. Dadurch kommt es zu den typischen Symptomen wie Durchfall oder Atemwegsproblemen. Viren können alle Lebewesen befallen, einschließlich Pflanzen. Viele Pflanzen setzen sich mit eigenen virustatischen, d.h. virenbekämpfenden Cocktails zur Wehr. Für die kretische Zistrose (Cistus incanus) wurde eine Wirksamkeit gegen unterschiedliche Viren bereits nachgewiesen . Sowohl in Form von Pflanzen, als auch in Form von Extrakten oder Medikamenten werden solche Phytotherapeutika für die Behandlung von Erkrankungen eingesetzt. Antibakteriell wirkende Desinfektionsmittel und Medikamente können Viren allerdings nichts anhaben.

Coronaviren bei Hunden

Das canine Coronavirus (CCoV, CCV) verursacht bei erwachsenen Hunden und anderen Hundeartigen vor allem einen meist milden Durchfall. Welpen können allerdings auch schwer erkranken. Die Viren schädigen die Innenauskleidung des Darms und die Tiere zeigen Erbrechen und wässrigen Durchfall, der sogar blutig sein kann (hämorrhagische Gastroenteritis). Das führt zu starkem Flüssigkeitsverlust, der Welpe dehydriert. Wird der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, können die Welpen daran sterben. Vor allem geschwächte Jungtiere aus zweifelhafter Vermehrung mit ohnehin geschwächtem Immunsystem sind gefährdet.

Wer SARS-CoV-2 positiv ist, sollte auch gegenüber Haustieren Hygienevorschriften einhaltenWer SARS-CoV-2 positiv ist, sollte auch gegenüber Haustieren Hygienevorschriften einhalten (© Ihor - stock.adobe)

Coronaviren bei Katzen

Coronaviren der Katzen (FCoV) verursachen unterschiedlich schwere Erkrankungen. Eines von ihnen, das feline infektiöse Peritonitisvirus (FIPV), verursacht eine schwere Infektion: die Feline infektiöse Peritonitis (FIP), meist mit tödlichem Ausgang. Die Symptomatik hängt von der vorliegenden Form ab. Bei der trockenen Form (trockene granulomatöse Form) kommt es zu Verdickungen vor allem in Leber, Lunge und Nieren. Außerdem zu Knötchenbildung auf Lymphknoten und Milz. Auch die Umhüllungen der Organe (Serosa) verdicken sich. Bei der feuchten Form kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen im Körper, insbesondere im Brust- und Bauchfell (Brustfell- bzw. Bauchfellentzündung). Die Katze bekommt hohes Fieber, Gelbsucht, magert ab und wird anämisch. Neuronale Symptome und Augenentzündung können hinzukommen. Am Ende kommt es zu Organversagen.

Das zweite Coronavirus, das Katzen befällt, ist eher harmlos. Das feline enterale Coronavirus (FECV) verursacht lediglich Durchfall und auch das nicht immer.

Coronaviren bei Pferden

Das Equine Coronavirus (ECoV) ist seit 1999 bekannt. Damals wurde es bei einem Fohlen mit Durchfall gefunden. Auch bei Pferden verursacht es vor allem Magen-Darm-Erkrankungen. Die Tiere magern ab, zeigen meist leichte, selten schwere Koliksymptome und bekommen breiigen Kot oder Durchfall. Selten werden neurologische Auffälligkeiten wie Ataxie, Apathie oder Festliegen ursächlich auf die ECoV-Infektion zurückgeführt. Betroffen sind hauptsächlich erwachsene Pferde, die vorwiegend im Winterhalbjahr erkranken. Atemwegserkrankungen wurden bislang nicht nachgewiesen.

Coronavirus bei Rindern und Schweinen

Bei Rindern und anderen Wiederkäuern, auch Wildformen, verursacht BCoV, das Bovine Coronavirus, sowohl Durchfall- als auch Atemwegserkrankungen. Schweine können sich mit dem Porcinen Coronavirus (PEDV) infizieren, dem Erreger der Epizootischen Virusdiarrhoe (engl. porcine epidemic diarrhea PED). Es ist hochansteckend und deshalb meldepflichtig. Es verursacht eine Darminfektion mit Zerstörung der Innenauskleidung des Darms und stark wässrigem Durchfall, an dem Saugferkel meist sterben, während ältere Schweine nur daran erkranken.

SARS-CoV-2: Kein Grund zur Panik - Haustiere können bleiben

Indirekt könnten Tiere allerdings durchaus schwer von SARS-CoV-2 betroffen sein. Dann nämlich, wenn Halter sich von ihren Tieren trennen, aus Angst, sie könnten Überträger sein. Dafür gibt es keinen Grund. Sie brauchen allenfalls einen Gassigeher oder Betreuer, und wenn Sie als Infizierte unter Quarantäne stehen oder krank im Bett liegen, dann sollten sie die Hygienemaßnahmen ernster nehmen als sonst. Aber kein Tierhalter braucht seine Tiere dadurch irritieren, dass er plötzlich jeden Kontakt vermeidet. Tiere müssen nicht abgegeben oder „ausgelagert“ und damit aus der vertrauten Umgebung gerissen werden. Sie dürfen weiter nach draußen und im Gegensatz zum Menschen ganz normal mit ihresgleichen sozialisieren. Und erwiesenermaßen werden Tierhalter viel seltener krank, denn die Liebe zum Tier stärkt das Immunsystem.

Mehr zur Wirksamkeit der Kretischen Zistrose gegen Viren lesen Sie bei unserer Partnerakademie ATM.

Quelle:

Friedrich Löffler Institut – Bundesforschungsanstalt für Tiergesundheit www.fli.de/de/home/

Robert Koch Institut
www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html

WSAVA – Global veterinary community
wsava.org/news/highlighted-news/the-new-coronavirus-and-companion-animals-advice-for-wsava-members/

European Centre of Disease Prevention and Control
www.ecdc.europa.eu/en/covid-19/questions-answers

WHO - Weltgesundheitsorganisation
www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019

Laboklin GmbH & Co.KG, Labor für klinische Diagnostik
BioRxIV- Reprint Server for Biology (Inhalte der Veröffentlichungen nicht unabhängig bestätigt)
https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.03.30.015347v1

Der Zugriff auf Veröffentlichungen der Institute erfolgte zwischen dem 16.3. und dem 6.4.2020)

Patricia Lösche

Patricia Lösche ist freie Autorin, Text- und Bild-Journalistin. Der Dolmetscher-Ausbildung folgten Biologie- und Journalistik-Studium, freier und redaktioneller Journalismus für verschiedene große Verlage. Später dann die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin an der ATM und die Tierpsychologie-Ausbildung an der ATN. Empathie, Achtung und Verständnis auf Augenhöhe im Umgang mit Tieren sind Patricia Lösche ein besonderes Anliegen. Seit 2014 schreibt sie für ATM und ATN Blogbeiträge, ist Autorin von Skripten und betreut als Tutorin die Studierende unterschiedlicher Fachbereiche. In die Wissensvermittlung fließen mehrjährige Praxis-Erfahrungen aus der naturheilkundlichen Behandlung von Pferden, Hunden und Katzen ebenso ein, wie die jahrzehntelange Erfahrung eigener Tierhaltung. Sie ist Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) und 1.Vorsitzende im Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer (VdTT).

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