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Katzenasthma: Wenn Atmen zur Not wird

Katzenasthma: Wenn Atmen zur Not wird Patricia Lösche Katzenasthma: Wenn Atmen zur Not wird

Katzenasthma oder Felines Asthma, wie es medizinisch korrekt heißt, ist eine schwere, potentiell lebensbedrohliche Atemwegserkrankung der Katze, vergleichbar mit Asthma beim Menschen. Als Folge kommt es zu chronischer, in Anfällen auch heftiger Atemnot, in schweren Fällen bis hin zum „Status asthmaticus“, bei dem diese Atemnot akut lebensbedrohlich wird und tödlich enden kann, wenn nicht medikamentös eingegriffen wird. Zunächst sind die Veränderungen diskret, Katzen outen sich nicht gerne als krank. Nur Katzenhalter, die ihre Katze sehr genau beobachten und kennen bemerken die anfangs eher unauffälligen Verhaltensveränderungen.

Felines Asthma ist oft allergisch bedingt

Auslöser für die Entstehung des Felinen Asthmas sind Entzündungsreaktionen, sehr häufig, aber nicht immer aufgrund allergischer Reaktionen. Trifft ein Allergie auslösender Stoff (Antigen) auf die Lungen, reagiert das Immunsystem des Körpers mit Abwehr und schüttet Stoffe aus – sogenannte Entzündungsmediatoren – die Veränderungen in den Bronchien hervorrufen. Bronchien, das sind die kleinen Luftkanälchen, über die die Atemluft in der Lunge verteilt wird.

Infolge der Entzündung verdickt die Schleimhaut, mit der die Bronchien ausgekleidet sind und das Innenvolumen der ohnehin schon sehr dünnen Bronchien wird noch kleiner. Es kommt zu Atemgeräuschen, Husten und Atemnot. Vom Menschen bekannt ist auch Engegefühl in der Brust, verbunden mit Angst. Katzen können einem dazu leider nichts sagen, aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass es auch auf sie zutrifft. Vor allem die Angst bei akuter Atemnot, einfach weil sie lebensbedrohlich ist. Das Verhalten der Katze während eines bedrohlichen Anfalls lässt den Rückschluss jedenfalls zu.

Im Allgemeinen sind Allergien Histamin vermittelt, einem Neurotransmitter und Gewebehormon, das unter anderem an Reaktionen des Immunsystems beteiligt ist. Schulmedizinisch wird die Ausschüttung von Histamin durch Antihistaminika kontrolliert. In der Behandlung des Katzenasthmas sind sie nutzlos, weil bei seiner Entstehung nicht Histamin, sondern Serotonin und Leukotriene als Entzündungsmediatoren wirken, Stoffe, die Entzündung im Körper vermitteln und aufrechterhalten.

Das Feline Asthma gehört zu den häufigsten Atemwegserkrankungen der Katze. Typischerweise betroffen sind Katzen mittleren Alters. Häufig beginnt die Erkrankung im Alter von 2-8 Jahren. Grundsätzlich kann es aber Katzen jeden Alters treffen. Besonders anfällig scheinen Siamkatzen zu sein. Sie zeigen zudem oft auch einen sehr schweren Krankheitsverlauf.

Katzenasthma – so zeigt es sich

Die Krankheit entwickelt sich schleichend und Katzen sind außerdem Weltmeister im Verstecken von Krankheitssymptomen. Dadurch wird anfangs nicht einmal bemerkt, dass sich hier ein bedrohlicher Zustand anbahnt. Über Wochen hustet die Katze, mal stärker, dann wieder weniger oder längere Zeit nicht. Was auffällt ist oft nur die nachlassende Aktivität. In fortgeschrittenem Stadium atmet sie nur noch hechelnd und schwer. Erst jetzt zeigt sich das ganze Ausmaß ihrer Atemwegsprobleme - häufig, nachdem die Symptome vorher durch Stress verstärkt wurden: eine neue Mitkatze vielleicht, ein Hund, ein Baby, ein Umzug, neue Katzennachbarn, ein Unfall. Alles, was Stress verursacht, bringt das Immunsystem aus dem Gleichgewicht und kann Symptome verstärken.

Wie bei allen Allergien sind die Auslöser nicht immer zu identifizieren. Duftstecker, Aromastoffe, Räucherstäbchen, Kerzen- oder Zigarettenrauch, Kaminfeuer, staubiges Katzenstreu, aber auch Ausdünstungen aus Malerfarben, neuen synthetischen Teppichen und Kissen und andere Stoffe kommen als Antigene und Auslöser in Frage.

Röntgenaufnahme einer 6jährigen Katze mit jahrelanger Atemnot und Hustenanfällen. Röntgenaufnahme einer 6jährigen Katze mit jahrelanger Atemnot und Hustenanfällen. (© Jessica Firchow)

Röntgenaufnahme einer 6jährigen Katze mit jahrelanger Atemnot und Hustenanfällen. Typisch: stark sichtbare „Lungenstraßen und -wurzeln“ (siehe Markierung). Hierbei handelt es sich um verkrampfte Bronchien und Bronchiolen

Diagnostik bei Felinem Asthma

Beim Abhören wird dann das ganze Ausmaß der Erkrankung deutlich. Die Katzenlunge giemt und rasselt beim Ausatmen. Im Rahmen einer genauen Untersuchung müssen jetzt zunächst Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik ausgeschlossen werden. Infrage kommen

  • Lungenentzündung durch Fremdkörper (Aspirationspneumonie)
  • Bronchitis
  • Lungenwürmer
  • Tumore
  • Katzenschnupfen
  • Herzerkrankungen

Erst die Anamnese, d.h. die genaue Erfassung von Umständen und Symptomen, bringt Klarheit und schließlich die endgültige Diagnose. Hierfür sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, weil zur Diagnose bildgebende Verfahren und Narkoselegung nötig werden können. Spricht eine Katze mit akuter Atemnot schnell auf die Gabe von Bronchodilatatoren („Asthma-Spray“) an, ist die Diagnose schon fast sicher.

Praxistipp
Weil es bei der Untersuchung meist nicht zu einem Hustenanfall kommt ist es hilfreich, wenn Hustenanfälle mit dem Handy gefilmt werden.

Wird die Katze aufgrund akuter Atemnot – die immer lebensbedrohlich und tierarztpflichtig ist! – vorgestellt, muss sie zunächst durch Sauerstoffzufuhr und Medikamente, im schlimmsten Fall durch künstliche Beatmung und Beruhigungsmittel stabilisiert werden. Erst dann können weiterführende Untersuchungen stattfinden.

Hilfe für die asthmakranke Katze

Katzenasthma ist nicht heilbar und eine lebenslange Therapie ist notwendig. Schwere Schübe müssen schnellstmöglich schulmedizinisch behandelt werden. Therapeutische Mittel der Wahl sind Glucocorticoide (Cortison), entweder in Form von Sprays (Aerosole) oder aber systemisch durch orale Gaben oder Injektionen. Aber diese sind niemals nebenwirkungsfrei und als Folge kann u.a. ein Diabetes mellitus auftreten.

Auch Schmerzzustände verursachen Stress, der das Immunsystem belastet. Besteht der Verdacht, dass die Katze Schmerzen hat, muss die Ursache ermittelt und die Katze gegen Schmerzen behandelt werden. Je nach Ursache kann dies gegebenenfalls sehr gut naturheilkundlich durch einen gut ausgebildeten Tierheilpraktiker erfolgen.

Sobald der akute Schub abgeklungen ist, ist eine begleitende naturheilkundliche Behandlung zur Stabilisierung der Katze, Minimierung des Anfallsrisikos sowie zur Reduzierung der chemischen Medikamente und deren Nebenwirkungen unbedingt zu empfehlen.

Zwar sind auslösende Allergene nur schwer zu identifizieren und eine vollständige Vermeidung selten praktikabel, trotzdem sollten parallel zur Behandlung unspezifische atemwegsreizende Substanzen wie Rauch, Staub, Parfüm, Duftstecker, ätherische Öle und andere vermieden oder mindestens minimiert werden. Auch Stressbelastungen sollten möglichst gering gehalten werden. Aber die Prognose für ein lebenswertes Leben der behandelten Katze ist gut und richtig behandelt wird sie bald wieder zum Normalverhalten zurückkehren.

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Jessica Firchow

Jessica Firchow ist Tierärztin seit 2005 und studierte an der Freien Universität Berlin. Die Kleintiermedizin war von Anfang an ihr "Steckenpferd". Mehrere Jahre arbeitete sie im größten Tierheim Europas, das Tierheim Berlin Falkenberg, wo sie auch hauptsächlich Heimtiere betreute. Seit 2012 ist sie in einer Kleintierpraxis im Süden Berlins tätig und leitet dort die Augen-Sprechstunden, wobei sie auch zahlreiche operative Eingriffe vornimmt. Besonders wichtig sind Jessica Firchow der ruhige und entspannte Umgang mit Tier und Mensch sowie die fachlich kompetente Beratung der Tierhalter. Je nach Einzelfall baut sie dabei auch gern auf die Unterstützung von versierten Tierheilpraktikern und Tierphysiotherapeuten direkt in der Praxis. Seit 2016 ist Jessica Firchow Mutter eines kleinen Jungen, der ihren Alltag noch turbulenter und spannender macht. Zur ATM ist sie 2017 gekommen. Mit viel Freude betreut sie hier als Tutorin vorrangig die Skripten zur Krankheitslehre.

Webseite: tierarztpraxis-im-frauenviertel.de/

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