Konzept

Tiergestützte Arbeit: Ausbildungskonzept

Konzept der Ausbildung Tiergestützte Arbeit Konzept der Ausbildung Tiergestützte Arbeit

"Beziehungs-weise" helfen und heilen

Essenziell für den Erfolg tiergestützter Arbeit ist nicht das Tier an sich. Sein volles Potenzial entfaltet der Einsatz von Tieren erst, wenn es gelingt, ein hohes Maß an Beziehungsqualität sowohl zwischen dem Anwender und dem jeweiligen "Therapie(begleit)-Tier" als auch zwischen dem Klienten und dem Tier sowie dem Anwender und dem Klienten herzustellen. Tiere in der tiergestützten Arbeit sind weder "Mittel zum Zweck" noch „Werkzeug“ oder "Hilfsmittel". Ihnen kommt vielmehr die Rolle eines gleichwertigen Partners innerhalb des jeweiligen therapeutischen, pädagogischen oder gesundheitsfördernden Konzeptes zu, eines Partners, der seine kognitiven und emotionalen Fähigkeiten ebenso in den Kontext einbringt wie seine speziesspezifischen Bedürfnisse und seine individuelle Persönlichkeit.

Tiere in der tiergestützten Arbeit wirken und agieren jeweils als das Tier, das sie individuell sind – nicht als eine durch Erziehung oder Dressur optimierte, austauschbare "Tier-Einheit", der vermeintlich störende Verhaltensweisen "abgewöhnt" wurden. Schüchternheit oder eine leichte Unsicherheit beispielsweise muss ein Tier für tiergestützte Arbeit nicht automatisch disqualifizieren, sondern kann es im Gegenteil für bestimmte Einsätze besonders empfehlen. So erfordert es etwa weit mehr Beobachtungsgabe, Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen vom Klienten, ein zurückhaltenderes Tier zu Annäherung und Kooperation zu motivieren als ein Tier, das selbstsicher ist. Je nach pädagogischer Zielsetzung kann das "scheuere" Tier dann das für die Arbeit mit dem Klienten geeignetere sein.

Anwender tiergestützter Arbeit müssen nicht nur die Tierart, mit der sie arbeiten wollen, als solche und hinsichtlich ihrer artspezifischen Bedürfnisse und Haltungsanforderungen kennen. Sie müssen zugleich fähig sein, das Tier in seiner Einzigartigkeit und Individualität zu erkennen sowie zum Tier auch selbst eine Beziehung zu leben, die einerseits dem Klienten als Modell dienen kann, die andererseits aber auch die Basis darstellt, auf der Klient und Tier ihrerseits eine Mensch-Tier-Beziehung entwickeln können, von der beide Seiten profitieren.

Konzept der Ausbildung Tiergestützte Arbeit
Konzept der Ausbildung Tiergestützte Arbeit

Wer tiergestützt arbeiten möchte, begibt sich auf eine Gratwanderung zwischen Wissenschaft und dem, was zwischen Menschen und Tieren nicht messbar, sondern nur zu fühlen ist. Es gilt, die wissenschaftlichen Fakten zu kennen und zu berücksichtigen – es gilt aber auch, die eigene Intuition zu schulen, für das, was zwischen Klient und Tier "passieren möchte".

Damit Sie die erforderliche wissenschaftliche Basis erwerben können, auf der Sie die angesprochene Intuition entwickeln können, starten Sie die Ausbildung „Tiergestützte Arbeit“ an der ATN mit dem Modul "Tierpsychologie". Es macht Sie mit den unterschiedlichen wissenschaftlichen und kulturellen Sichtweisen auf das Tier bekannt, vermittelt Ihnen die die physiologischen Ursachen tierlicher Verhaltensweisen und Verhaltenselemente und führt Sie in das spannende Gebiet der Verhaltensökologie und der evolutionären Ursachen von tierlichem Verhalten ein. Sie lernen die Wirkmechanismen der verschiedenen Lernformen bei Tieren kennen und erfahren wie verschiedene Umweltfaktoren das Lernen beeinflussen. Sie entdecken die Unterschiede zwischen Wild- und Haustieren und verstehen, wie es zur Domestikation verschiedener Tierarten kommen konnte, was Domestikation ausmacht und welche Faktoren sie beschleunigt haben. Außerdem erfahren Sie, wie sich das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier im Laufe der Jahrtausende entwickelt hat, verstehen wie Tiere denken und warum auch Tiere – ganz wie wir Menschen – eigene Persönlichkeiten sind, die zum Denken fähig sind (und wir meinen damit tatsächlich Denken und nicht „Denken“). Ebenfalls erhalten Sie einen Einblick ist die noch sehr junge Wissenschaftsdisziplin der Tier-Psychosomatik.

Das zweite Modul "Tiergestützte Arbeit" vermittelt Ihnen wissenschaftlichen Grundlagen der Arbeit mit Tieren in Therapie, Pädagogik und Gesundheitsförderung. Sie erhalten Einblick in die wichtigsten Bereiche, in denen tiergestützt gearbeitet wird und erfahren, wann sich tiergestützte Arbeit bei einem Klienten anbietet und wann nicht, wie Sie pädagogische, therapeutische und/oder gesundheitsfördernde Ziele für tiergestützte Einsätze und Projekte formulieren und auf welche Methoden Sie im Rahmen tiergestützter Arbeit und Intervention zurückgreifen können. Außerdem lernen Sie, wie Sie Tiere in bestehende pädagogische und therapeutische Methoden einbinden. Wir machen Sie mit den relevanten Rechtsvorschriften und Statistik vertraut und regen Sie an, erste eigene Ideen für Projekte tiergestützter Arbeit und Intervention zu entwickeln.

Das dritte Modul „Verhaltenswissenschaft Tier“ macht Sie mit der oder den Tierarten vertraut, mit denen Sie später arbeiten möchten. Sie haben hier die Wahl zwischen

  • 1. Hund,
  • 2. Pferd, Esel, Lama, Alpaka, Schaf und Ziege
  • 3. Katze, Meerschweinchen und Kaninchen.

Sie lernen hier alles Wichtige über Haltung, Umgang und Bedürfnisse der Tiere, lernen, wie sich die Tiere ausdrücken und welche Rückschlüsse Sie aus diesem Ausdrucksverhalten (der „Körpersprache“ des Tieres) hinsichtlich seiner Emotionen, Bedürfnisse und Gedanken ziehen können. Sie lernen, Stress beim Tier zu erkennen und Überforderung zu vermeiden. Außerdem machen wir Sie mit den jeweils tierartspezifischen Zoonosen und entsprechenden Hygienemaßnahmen bekannt. Des Weiteren stellen wir Ihnen zahlreiche Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die verschiedenen Tierarten vor, die Sie später in vielfältiger Weise in Ihre Arbeit mit Menschen und Tieren einbeziehen können. Zusammen mit der Tierpsychologie ermöglicht Ihnen das Modul „Verhaltenswissenschaft Tier“, zu verstehen wie Ihr jeweiliges Therapie(begleit)-Tier

  • als Tier als solches,
  • als Vertreter einer bestimmten Spezies / Rasse und
  • als Individuum

"tickt", sodass Sie sich wirklich einfühlen und das Tier spüren und verstehen können. Wichtig ist das, weil Sie als Anwender/in für jeden Ihrer Klienten das Beispiel und Vor-Bild geben, an welchem sich der Klient in seinem Verhalten gegenüber dem Tier orientiert. Die Qualität Ihrer eigenen Mensch-Tier-Beziehung bildet die Grundlage dafür, dass Ihre Arbeit mit Mensch und Tier ihr volles Potenzial entfalten kann.

Das vierte Modul "Best Practice" stellt Ihnen verschiedene Beispiele aus der Praxis tiergestützter Arbeit vor. Sie erhalten einen Einblick in die Ideen und Konzepte von Praktikern und erfahren, wie diese ihre Projekte geplant und umgesetzt haben. Wir hoffen, Ihnen damit entscheidende Impulse für Ihre eigene Arbeit geben zu können. Denn nicht zuletzt lebt tiergestützte Arbeit auch von Ihrer eigenen Kreativität und Phantasie.

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