Lernziel

Tiergestützte Arbeit: Lernziel

Lernziel der Ausbildung Tiergestützte Arbeit Lernziel der Ausbildung Tiergestützte Arbeit

Wer kann tiergestützt arbeiten – und wie?

Anwender tiergestützter Arbeit / tiergestützter Intervention bedürfen eines tiefgreifenden Verständnisses der Psychologie des Tieres, der kontrollierten Beziehungsgestaltung zwischen Mensch und Tier sowie der Kenntnis über die arteigenen Bedürfnisse, Haltungs- und Umgangsanforderungen "Ihrer" Tierart/en, um zielführende Maßnahmen zur Verwirklichung der mit tiergestützter Arbeit zu erreichenden Ziele zu entwickeln und umzusetzen.

Zielgruppe

"Anwender" in diesem Sinne sind in erster Linie Fachkräfte aus dem therapeutischen und pädagogischen Bereich, aber auch Quereinsteiger und Privatpersonen, die beispielsweise in ihrem familiären Umfeld tiergestützt arbeiten oder sich beruflich neu orientieren möchten.

Der Lehrgang "Tiergestützte Arbeit" richtet sich u.a. an

  • Psychologen
  • Ärzte
  • Kranken-, Alten- und Heilerziehungspfleger
  • Physio- und Ergotherapeuten
  • Musik-, Kunst- und Tanztherapeuten
  • Logopäden
  • Sozialarbeiter und Sozialassistenten
  • Lehrer
  • Erzieher
  • Heilpädagogen
  • Ernährungs- und Diätberater
  • Fitnesstrainer und Gesundheitscoaches
  • Eltern
  • Freiwillige im Besuchsdienst, z.B. in Schulen und Kindergärten, Senioreneinrichtungen, Heimen, Krankenhäusern und Hospizen
  • Familien, die Tiere zur Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen oder pflegebedürftiger Angehöriger einsetzen wollen.
  • Menschen, die anderen Menschen Begegnungen mit Tieren ermöglichen möchten, um den Bezug zu Tier und Natur wieder herzustellen, Momente des Wohlbefindens und des Einklangs mit sich und der Natur zu schaffen und ganz allgemein Gesundheit und Achtsamkeit zu fördern.

Im Lehrgang "Tiergestützte Arbeit" an der ATN lernen Sie:

im Modul: "Tierpsychologie":

  • die grundlegenden Einflussfaktoren auf tierliches Verhalten sowie die zentralen Begriffe der Verhaltensbiologie kennen und korrekt anzuwenden,
  • wie Kultur, Historie und Wissenschaft unsere Beziehung zu Tieren beeinflusst haben und welche Auswirkungen das auf heutige Mensch-Tier-Beziehungen hat,
  • Tiere zu beobachten und tierliches Verhalten korrekt zu beschreiben und zu interpretieren,
  • wie Tiere lernen und wie Sie tierliches Verhalten ethisch, empathisch und wissenschaftlich fundiert in Ihrem Sinne beeinflussen können,
  • welche Rolle Kognition und Persönlichkeit von Tieren in Mensch-Tier-Beziehungen spielen und wie Sie beides für die tiergestützte Arbeit nutzen,
  • welche Wechselwirkungen es auch beim Tier zwischen Psyche und Körper gibt (Tier-Psychosomatik) und was Sie vor diesem Hintergrund in Bezug auf Stress beim Tier in der tiergestützten Arbeit wissen müssen.

im Modul: "Tiergestützte Arbeit":

  • die zentralen Begriffe der tiergestützten Arbeit - einschließlich tiergestützter Intervention -, ihre psychologischen Grundlagen, Wirkungen und Möglichkeiten kennen und anzuwenden,
  • zu analysieren, ob tiergestützte Arbeit/Intervention im Einzelfall eine geeignete therapeutische, pädagogische oder gesundheitsfördernde Maßnahme darstellt,
  • was die Arbeit mit bestimmten Klientengruppen, bei denen tiergestützte Maßnahmen am häufigsten eingesetzt werden, ausmacht (wichtig vor allem, wenn Sie als Quereinsteiger tiergestützt arbeiten möchten und selbst keinen therapeutischen oder pädagogischen Ursprungsberuf haben),
  • wie Lernen beim Menschen stattfindet und was das für tiergestützte Arbeit bedeutet,
  • die für die tiergestützte Arbeit/Intervention wichtigen Rechtsvorschriften,
  • wie Sie Ihre tiergestützte Arbeit wissenschaftlich evaluieren und dokumentieren.

im Modul: "Verhaltenswissenschaft Tier":

  • welche art- und altersspezifischen Haltungs- und Umgangsanforderungen die Tierarten haben, mit denen Sie arbeiten möchten,
  • wie sich diese Tiere ausdrücken und mitteilen und was Sie aus dem Verhalten eines Tieres in Bezug auf seine Emotionen und Bedürfnisse schließen können,
  • wie Sie modernste Trainingstechniken einsetzen können, um Vertrauensausbau und Beziehungsbereitschaft beim Tier zu fördern und Lernen zu erleichtern,
  • welche Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere sich im Rahmen tiergestützter Arbeit anbieten,
  • wie Sie Ihre Tiere vor Überforderung und Stress schützen,
  • welche Hygienemaßnahmen die Übertragung von Krankheiten vom Tier auf den Menschen (Zoonosen) verhindern.

im Modul: "Best Practice":

  • wie Sie Einsätze und Projekte tiergestützter Arbeit konzipieren, planen und vorbereiten,
  • individuelle Ziele tiergestützter Arbeit formulieren,
  • Einsätze und Projekte realisieren, evaluieren und dokumentieren.

Möglichkeiten tiergestützter Arbeit / Intervention

Die Möglichkeiten, die tiergestützte Arbeit in Therapie, Pädagogik und Gesundheitsförderung eröffnet, sind so vielschichtig und facettenreich wie Anwender, Klienten und Tiere selbst. Und auch wenn es bisweilen scheint, als sei der therapeutische oder pädagogische Einsatz von Tieren eine Erfindung der letzten Jahre, kennt die Menschheit Helfer auf vier Pfoten schon weitaus länger. Sowohl in Bezug auf die Ursachen als auch auf die Behandlung von Krankheiten spielten Tiere im Laufe der Menschheitsgeschichte in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle.

So wurde beispielsweise in den Kulturen der Jäger und Sammler das Verhältnis zum Tier nicht etwa nur von der Notwendigkeit zur Nahrungsbeschaffung bestimmt. Ihm wohnte vielmehr auch eine ausgeprägte Spiritualität inne. Dass Tiere, die man für Nahrung und Kleidung tötete, eine Seele gleich der des Menschen besaßen, stand außer Frage. Entsprechend glaubte man, auch Tierseelen seien in der Lage, ihren „Mörder“ zu verfolgen und Unheil und Krankheit über ihn und die Seinen zu bringen. Nur spezielle Rituale vermochten die Seelen getöteter Tiere zu besänftigen. Viele Kulturen kannten „Schutzgeister“, auch sie häufig in Gestalt von Tieren anzutreffen. Ähnliche Funktion besaßen "Totem-Tiere" oder "Kraft-Tiere", wie auch die Praxis, sich selbst den Namen eines Tieres zu verleihen, damit dessen Stärke auch den Menschen auszeichnen sollte.

In modernerer Zeit war der englische Philosoph John Locke im Jahr 1699 einer der ersten, der empfahl, Kindern "Hunde, Eichhörnchen, Vögel oder ähnliches" zu geben, damit sie Zärtlichkeit und einen Sinn für Verantwortung gegenüber anderen entwickelten. Mitleid und Interesse am Wohlergehen von Tieren hielt in der Folge vermehrt Einzug in die Kinderliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts. Ende des 18. Jahrhunderts begannen sich die Theorien über den Wert von Tieren hinsichtlich der Sozialisierung auf die Behandlung seelisch Kranker auszuwirken. Als erstes hervorragend dokumentiertes Beispiel gilt das "York Retreart" in England, eine psychiatrische Anstalt, die von einem sehr fortschrittlichen Quäker namens William Tuke konzeptioniert wurde. Die im York Retreat angewendeten Behandlungsmethoden unterschieden sich deutlich von allem, was ansonsten in den Psychiatrien der damaligen Zeit Gang und Gäbe war. So war es den Bewohnern erlaubt, eigene Kleindung zu tragen, sie wurden zu Handarbeiten, zum Schreiben und Lesen angehalten und sie durften sich frei in den Parks und Gärten bewegen, die die Anstalt umgaben. Dort wurden zahlreiche kleine Haustiere gehalten, darunter Kaninchen, Möwen, Falken und Geflügel. Im Laufe des 19. Jahrhunderts zogen viele Einrichtungen nach, nicht nur in England. Die Pionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale, schrieb in ihren "Nursing Notes" von 1860, dass ein "kleines Tier oft ein ausgezeichneter Gefährte für Kranke ist, vor allem in langwierigen und chronischen Fällen".

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